Ortsgeschichte


Nahe dem großen Naturschutzgebiet „Pfrunger-Burgweiler Ried“ liegt auf einer Anhöhe (641 m N.N.) die schöne Ortschaft Riedhausen mit ihren Weilern Bühlhöfe und Weihermühle. Riedhausen ist eine kommunalpolitisch selbstständige Gemeinde mit einer Gemarkungsfläche von 842 Hektar und liegt geographisch sehr günstig im westlichen Teil des Landkreises Ravensburg. Von hier aus können mit dem PKW benachbarte Städte, das Allgäu, das Donautal und der Bodensee auf kurzen Wegen angefahren werden. Direkt durch die Ortschaft Riedhausen führt die Landstraße Nr. 288 mit einem Verkehrsaufkommen von täglich ca. 3.000 Fahrzeugen. Seit 1971 ist Riedhausen Mitgliedsgemeinde im Gemeindeverwaltungsverband Altshausen und zählt ca. 650 Einwohner.


Die ersten Ansiedlungen stammen vermutlich aus dem 7. und 8. Jahrhundert. Erstmals im Jahr 1083 wurde Riedhausen als Ortschaft urkundlich erwähnt. Um 800 n.C. teilte Kaiser Karl der Große sein Land in Gauschaften auf. Riedhausen, dem Linzgau zugehörig lag an der Nahtstelle zwischen dem Linzgau im Südwesten, dem Eritgau im Norden und dem Schussengau im Südosten und wurde damit Grenzgemeinde in einer politischen Landschaft. Ebenso steht in einer Urkunde aus dem Jahre 1317 geschrieben, dass beim Stockbrunnen von Riedhausen vier Herrschaftsbezirke zusammentrafen: die Landgrafschaft Heiligenberg, die Landvogtei Schwaben, die Grafschaft Friedberg-Scheer und die Grafschaft Sigmaringen. In den Jahren 1083 bis 1344 herrschten als Ortsadel die „Ritter von Riethusen“, deren Burg nicht mehr vorhanden ist. Von ihnen stammt das Gemeindewappen. Es ist ein rechtshin gebogener aufspringender silberner (weisser) Fisch. Die daraus abgeleiteten Flaggenfarben sind Weiss-Rot (Silber-Rot). 1344 verkaufte der letzte Ritter von Riethusen seinen gesamten Besitz an den reichen Ravensburger Kaufmann Klaus de Gunde. Dessen Enkel verkaufte dann Jahrzehnte später Riedhausen an das reichstädtische Heilig-Geist-Spital Ravensburg. Mittels einer am 05.12.1402 in Rom ausgestellten Urkunde verlieh Papst Bonifaz IX. dem Ravensburger Heilig-Geist-Spital die Einkünfte (Pfarrpfründe) der reichen Pfarrei Riedhausen. 1485 baute Graf Georg von Königsegg die Weiherburg, welche heute auch nicht mehr besteht. Die Grafen von Königsegg erwerben nach und nach alle Riedhauser Güter aus dem Besitz des Heilig-Geist-Spital Ravensburg. Riedhausen geht 1676 unter Graf Anton Euseb in die Reichsgrafschaft Königsegg-Aulendorf über. Um 1806 wird Riedhausen in das Königreich Württemberg integriert und grenzte an das Großherzogtum Baden und das Fürstentum Hohenzollern an.


Zurück zur Gegenwart:

Aufgrund der Erschließung von Neubaugebieten und der Schaffung von zusätzlichen Wohnräumen durch Umnutzung der nicht mehr benötigten landwirtschaftlichen Gebäuden wurde Riedhausen eine Zuzugsgemeinde mit dem Resultat, dass seit dem Jahr 1992 die Zahl der Einwohner bis 2000 um 50 Prozent angestiegen ist. Zugezogene junge Familien und hohe Geburtenzahlen führen zu der Eigenschaft, dass Riedhausen gemessen am durchschnittlichen Lebensalter der Einwohner seit Jahren die oder eine der jüngsten Gemeinden im ganzen Bundesland Baden-Württemberg ist. Lag zum Beispiel das Landesdurchschnittsalter im Jahr 2009 bei 42,5 Jahren, konnte Riedhausen ein Durchschnittsalter von 35,8 Jahren aufweisen. Desweiteren ist Riedhausen als Storchengemeinde bekannt. Seit 1946 brüten Weißstörche auf dem Turmdach der Ortskirche St. Michael. Die Weißstörche sind ein Zeichen dafür, dass die Natur um Riedhausen noch intakt ist. Die Gemeindeverwaltung Riedhausen organisiert regelmäßig Obstbaumpflanzaktionen, an denen sich private Grundeigentümer beteiligen. Sie pflegen auch die zahlreichen mit alten Sorten bestockten Obstbaumgärten (Streuwiesen) rund um Riedhausen. Außerdem ist die Gemeinde Riedhausen Gründungsmitglied in der Naturschutzstiftung „Pfrunger-Burgweiler Ried“ mit dem Ziel der Bewahrung und Wiedervernässung einer schönen und bedeutungsvollen Moorlandschaft.


Hinsichtlich der Dorfentwicklung konnte die Gemeinde im Jahr 2005 mit dem Neubau des Rathauses, der Schaffung eines zentralen Dorfplatzes und der Umgestaltung des Kirchplatzes städtebaulich eine „Dorfmitte“ in unmittelbarer Nähe zur katholischen Pfarrkirche „Sankt Michael“ bilden. Die Kirche mit Kirchturm wurde erstmals im Jahre 1275 erwähnt. Im Jahr 2010 wurde die Dorfmitte mit dem Neubau des Feuerwehrhauses ergänzt.


Ortsausgang Richtung Guggenhausen befindet sich die Sankt Annakapelle aus dem 17. Jahrhundert und Ortsausgang Richtung Königseggwald die Lourdeskapelle, Ende 19. Jahrhundert. Die Pfarrscheuer stammt aus dem Jahr 1759 und dient als Dorfgemeinschaftshaus mit Bürgersaal, Vereinsräumen und Heimatmuseum. In ihr ist auch der Kindergarten integriert. Die Gemeinde Riedhausen ist Trägerin der Grundschule Riedhausen mit den Klassen 1 bis 4. Diese Schulklassen besuchen derzeit insgesamt 109 Kinder aus den Gemeinden Guggenhausen, Hoßkirch, Königseggwald, Riedhausen und Unterwaldhausen.


Die kommunale Infrastruktur der Gemeinde Riedhausen besteht aus einem Kindergarten, der Grundschule mit Turnhalle, einem Sportplatz, dem Friedhof mit Leichenhalle, der Kläranlage, einer Feuerwehr, dem Dorfgemeinschaftshaus „Pfarrscheuer“, einem Heimatmuseum und einem Rathaus. Die Gemeinde Riedhausen hat keine eigene Trinkwasserversorgung. Sie ist diesbezüglich Mitgliedsgemeinde im Zweckverband „Wasserversorgung Königsegg“.


Das sehr rege Vereinsleben in Riedhausen wird geprägt durch die nachfolgenden Gruppen und Vereine: Fischereiverein Pfrunger Ried e.V., Förderverein des Sportvereins Riedhausen e.V., Freiwillige Feuerwehr Riedhausen, Free Biker Riedhausen e.V., Jagdgenossenschaft Riedhausen, Kindergarten St. Michael, Kirchenchor Riedhausen, LandFrauenortsverein Riedhausen e.V., Landjugend Riedhausen, Ortsgruppe der Landwirte, Musikverein Waldhausen e.V., Narrenverein Wasenstecher e.V., Seniorentreff Riedhausen, SG 2010 SWRZ e.V. (Fußballspielgemeinschaft Wilhelmsdorf, Riedhausen und Zußdorf), Sportverein Riedhausen 1932 e.V., Strickgruppe Riedhausen, Theatergruppe Riedhausen e.V. und Wasser- und Bodenverband Königseggwald.

In Riedhausen betreiben 8 Haupterwerbs- und 3 Nebenerwerbsbetriebe die Landwirtschaft. In einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts („GPS Riedhausen“) bewirtschaftet ein Teil der Landwirte ihre Ackerflächen gemeinsam mit Hilfe einer satellitenunterstützenden Technik. Auf dem gewerblichen Sektor gibt es Firmen in den Branchen Abschleppdienst, Baggerbetrieb, Bauleitung, Brennholzhandel, Dentallabor, EDV-Dienstleistung, Friseur, Gärtnerei, Gastgewerbe, Gerüstverleih, Güterfernverkehr, Hausmeistertätigkeiten, Immobilien, Innenausbau, Kaminbau, Landtechnik, Marketing, Montageservice, Portraitfotografie, Sanitärtechnik, Sirup-Gelee Herstellung, Solartechnik, Stromversorgung, Telemetrie, Verlag, Versicherungen, Viehhandel, Viehtransport, Volksbank und Zimmerei. Von den ca. 220 in Riedhausen wohnenden sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten pendeln täglich ca. 200 zu ihrer Arbeit aus. In Riedhausen selbst gibt es ca.100 Arbeitsstellen, welche größtenteils von Berufseinpendlern belegt sind.


Bekanntester Bürger, in Riedhausen geboren und aufgewachsen, ist der Kunstmaler Matthäus Kern (1801 bis 1852), welcher als Maler, Lithograph, Kupferstecher und Radierer am kaiserlichen Hof zu Wien wirkte.


Von 1945 bis 1962 lebte in Riedhausen die Schriftstellerin Maria Ferschl (1895 - 1982). Von ihr stammt auch das weltbekannte Lied "Wir sagen euch an den lieben Advent" (gedruckt im katholischen Gebets- und Gesangsbuch "Gotteslob", Nr. 115).


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